Sind Quanten männlich oder weiblich? Frauen und Männer im Bereich Arbeitswelt Forschung im Haus der Forschung am 21.11.2007 - die Veranstaltung im Überblick

Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde erstmalig die gender AG im Haus der Forschung vorgestellt. Diese organisationsübergreifende Arbeitsgruppe hat sich das Ziel gesetzt, die Sichtbarkeit der Gender Mainstreaming Aktivitäten der einzelnen Organisationen zu erhöhen und damit das Thema "Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Arbeitswelt Forschung" zu stärken.

Als Begrüßung servierte das Info Catering den 80 TeilnehmerInnen Wahrheiten, Mythen und Fakten zum Thema Gender Mainstreaming gemeinsam mit einer süßen Überraschung. Der Begrüßung durch die Gender AG folgte ein Vortrag von Joanneum Research, der die komplexe Arbeitswelt Forschung näher charakterisierte und die verschiedenen Dimensionen dieser Arbeitswelt beschrieb. Rahmenbedingungen von Forschungs- bzw. Wissenschaftskultur, Vereinbarkeit und beruflicher Erfolg sind jene Größen, die die Beschäftigungssituation von Männern und Frauen in der österreichischen Forschung mitprägen.

Danach vermittelten Vortragende aus Deutschland und der Schweiz aktuelle Fakten zu: Chancengleichheit bzw. Ungleichheit in der Forschungsförderung, dem Lebendigen als Störfaktor bzw. von den Geschlechterkulturen in der Wissenschaftskultur und zur Frage, ob sich der Wissenschaftsbetrieb männlich oder weiblich darstellt.
Die wichtigsten generellen Aussagen in diesem Zusammenhang waren:

  • Frauen drängen verstärkt in den universitären Bereich während Männer eher daraus in den wirtschaftlichen Bereich abwandern.

  • Trotz hoher Absolventinnenraten gehen bei fortschreitender wissenschaftlichen Karriere mehr und mehr Frauen verloren - leaky pipeline bzw. akademisches Frauensterben.

  • Wichtig für die erfolgreiche Karriere sind auch in diesem Bereich informelle Netzwerke und verfügbare Geldquellen.

  • Anerkennung von wissenschaftlichen Leistungen erfolgt durch Zuschreibung von Leistungen durch die kompetenten Peers in den einzelnen Fachdisziplinen - daher ist eine deutlich Wahrnehmung der NachwuchswissenschafterInnen unabdingbar für eine erfolgreiche wissenschaftliche Karriere. Frauen müssen sich hier verstärkt behaupten.

  • Wissenschaftskultur ist männlich geprägt. Weiblich konnotierte Tätigkeiten und Lebensmuster werden abgewertet und Leistungen von Frauen und Männer, die diese Tätigkeiten durchführen oder diese Lebensmuster anwenden, werden daher minder bewertet.

  • Offiziell sind alle Fakten bekannt. Es gibt jedoch informell starke Barrieren, die unsichtbare Hürden errichten. Daher ist Realität und Praxis im Forschungsalltag für Frauen stark abweichend von der theoretischen Gleichstellung aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen.

  • Gerade das institutionelle Commitment der Leitungsebenen ist unabdingbar notwendig für eine mögliche Umsetzung von Zugeständnissen. Diese können jedoch nur auf der Basis von konkreten Zielvorgaben und Anforderungen gemacht werden, die von den Betroffenen formuliert werden müssen.

  • Organisation des Privatlebens und der Familienarbeit ist eine unabdingbare Notwendigkeit für die erfolgreiche Durchführung einer wissenschaftlichen Karriere - Männer scheinen in diesem Zusammenhang eine bessere Ausgangssituation zu haben.

Zwischen den Vorträgen meldeten sich die InterventionistInnen - zwei Frauen und zwei Männer - von Theatre Works - zu Wort. Mit Szenen, Gesang und Texten gaben Sie dem Gehörten eine zusätzliche sichtbare Komponente, und regten die ZuhörererInnen zum Nachdenken und Nachspüren an. Die Beiträge wurden vom Auditorium begeistert aufgenommen.

Den Nachmittag startete Moderator Gerald Gross mit inhaltlichen Blitzlichtern des Vormittags. Anschließend wurden die Geschäftsleitungen der Organisationen im Haus der Forschung zu einer Interviewrunde eingeladen. Ziel dieser Runde war es, die eigene Organisation zum Thema Frauen und Männer in der Arbeitswelt Forschung zu positionieren. Alle Organisationen präsentierten sich in diesem Zusammenhang mit Ihren eigenen Ansatzpunkten und Erfolgen zur Unterstützung von Frauen im Bereich der Fragestellung und reflektieren offene Punkte und weitere Ansatzpunkte für Verbesserungen in der Zukunft.

Fortgesetzt wurde mit dem World Cafe. Dieser Diskussionsraum ermöglichte es den TeilnehmerInnen sich zu folgenden Fragen miteinander intensiv auszutauschen:

  1. Die Frage "Arbeitswelt Forschung - was heißt dass für Sie?" ergab eine große Diskrepanz in der Wahrnehmung der Realität und der Idealvorstellung von dieser Arbeitswelt. Laut TeilnehmerInnen gibt es kein kohärentes Bild sondern eher die Wahrnehmung von einem männlich dominiertem Umfeld und einer Notwendigkeit sich bestimmten Habitus anzueignen, um erfolgreich zu sein. Damit verschwimmt das Bild von selbstbestimmten, freien, nur der Wissenschaft gewidmeten WissenschafterInnen.

  2. Die Frage "Wo gibt es in Ihrem Wirkungsbereich Chancengleichheit ?" resultierte in der Aussage, dass es Chancengleichheit eigentlich nur formal gibt. In der Realität kommt es zur starken Bewertung von Tätigkeiten abhängig von der ausführenden Person und zu unterschiedlichen Vorgaben in den verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen. Es wird die Vermutung geäußert, dass für eine gravierde Änderung in manchen Bereichen sogar ein Generationenwechsel notwendig sein wird.

  3. Die Frage "Was fehlt zum Quantensprung bis 2012?" provozierte die Antwort, dass Bescheidenheit von Frauen nicht mehr als adäquat angesehen werden kann. Auch hier wird deutlich darauf hingewiesen, dass Verhaltensänderungen notwendig sein werden, um zielgerichtet agieren zu können. Die Berechnung der Kosten der leaky pipeline wäre ein wichtiger Schritt, um die Diskrepanzen aufzuklären. Auch sollten Rollen bzw. Rollenmodelle immer wieder hinterfragt werden.

Der Tag gipfelte in einer abschließenden Runde zwischen den ExpertInnen und RepräsentantInnen der Organisationen. Aufbauend auf dem Input aus dem World Cafe wurde ein konkreter Kriterienkatalog gefordert, der die reale Lebenssituation von ForscherInnen mit einbezieht und berücksichtigt. Weiter wünschten sich die ExpertInnen, dass jede/jeder eigene Bilder und eigene Stereotype hinterfragen und reflektieren sollte. Aufbauend auf anderen Erfahrungen kann gesagt werden, dass kohärent formulierte Minderheitenmeinungen meist berücksichtigt werden. Daher sollten ich im Bereich Chancengleichheit exakte Wünsche formuliert werden, um diese umsetzbar zu machen. Abschließend wurde die gender AG zu dieser erfolgreichen Veranstaltung beglückwünscht. Natürlich wurde auch darauf hingewiesen, dass obwohl schon viel getan wurde noch einiges getan werden muss.

Weitere detaillierter Inhalte und Bilder zur dieser Veranstaltung finden Sie über das Programm der Veranstaltung.

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