Der Teilchenphysiker Christof Gattringer von der Universität Graz wird den FWF in den kommenden Jahren leiten. Er wurde heute vom Aufsichtsrat gewählt und wird sein Amt im April antreten. © Universität Graz/Eisenberger

Teilchenphysiker Christof Gattringer von der Universität Graz vom FWF-Aufsichtsrat bis 2024 bestellt

Christof Gattringer von der Universität Graz ist der neue Präsident des Wissenschaftsfonds FWF. Er wurde heute nach einem Hearing vom Aufsichtsrat des FWF gewählt. Der Wahl war ein mehrstufiges Auswahlverfahren vorangegangen. Zunächst wurden aus 19 Bewerberinnen und Bewerbern aus dem In- und Ausland sieben Personen von der Delegiertenversammlung zu einem Hearing eingeladen. Aus diesen wurde ein Dreiervorschlag gewählt, der wiederum dem Aufsichtsrat des FWF vorgelegt wurde. Der Aufsichtsrat lud schließlich am 10. Februar zum finalen Hearing vor das zehnköpfige Gremium, im Rahmen dessen sich die drei Kandidat/inn/en abermals präsentierten.

„Ich gratuliere Christof Gattringer im Namen des gesamten Aufsichtsrats zu seiner Wahl sehr herzlich. Gleichzeitig möchte ich mich bei Sabine Schindler und Miranda Schreurs bedanken, die ebenfalls im Dreiervorschlag der Delegiertenversammlung waren“, so FWF-Aufsichtsratsvorsitzende Sonja Puntscher Riekmann. „Christof Gattringer bringt viel Erfahrung als Vizerektor, Dekan und Topwissenschaftler mit und überzeugt durch sein besonderes Engagement im Bereich der Nachwuchsförderung sowie seine Kenntnisse im wissenschaftlichen Management. Er ist nicht nur ein Gewinn für den FWF, sondern auch für die österreichische Innovationslandschaft. Ich wünsche Christof Gattringer viel Erfolg bei seiner neuen Aufgabe.“

„Ich empfinde es als große Ehre, mich künftig an der Spitze des FWF gemeinsam mit allen Kolleginnen und Kollegen für die Wissenschaft im Allgemeinen und die Grundlagenforschung im Speziellen einsetzen zu können“, so Christof Gattringer in einer ersten Reaktion. „Mein Dank gilt den Mitgliedern des Aufsichtsrats und der Delegiertenversammlung für ihr Vertrauen. Angesichts der großen Herausforderungen, vor denen wir als Gesellschaft stehen, kommt der Wissenschaft eine Schlüsselrolle zu. Mein Ziel ist es, Forschende aus allen Bereichen bestmöglich zu unterstützen und ihnen den nötigen Freiraum zu geben, um hier in Österreich Wissenschaft von Weltformat voranbringen zu können“, so Gattringer abschließend.

Christof Gattringer übernimmt ab April das Amt von Interimspräsident Gregor Weihs, der den FWF seit dem Abgang von Klement Tockner Anfang 2021 geleitet hat. Die Funktionsperiode des neuen Präsidenten läuft bis September 2024, eine einmalige Wiederwahl für weitere vier Jahre ist möglich. „Ich möchte stellvertretend für das wissenschaftliche Vizepräsidium Christof Gattringer sehr herzlich zu seiner Wahl gratulieren“, so FWF-Interimspräsident Gregor Weihs. „Ich freue mich auf eine konstruktive Zusammenarbeit für die österreichische Scientific Community in den kommenden Jahren“, so Weihs abschließend.

Wissenschaftsminister Heinz Faßmann gratulierte Christof Gattringer ebenfalls zur Wahl zum neuen Präsidenten des FWF. „Mit Christof Gattringer steht ein international anerkannter Spitzenwissenschaftler an der Spitze des FWF, der aufgrund seiner langjährigen Erfahrung als ehemaliger Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz aber auch große Erfahrungen im Wissenschaftsmanagement mitbringt. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit und wünsche dem frisch gewählten Präsidenten gutes Gelingen in seiner neuen Funktion.“

Die Bedürfnisse der Grundlagenforschung im Blick

Nicht nur einen Bereich der Wissenschaften kennenzulernen, sondern sich mit dem akademischen Wissensspektrum als Ganzem auseinanderzusetzen – das ist eine der wesentlichen Motivationen hinter der beruflichen Laufbahn von Christof Gattringer. Ausgangspunkt und wissenschaftliche Heimat des 1966 in Wien geborenen Forschers ist die Physik, genauer die Quantenphysik. „In meiner Arbeit geht es um Elementarteilchen wie die Quarks, die kleinsten Bausteine, aus denen unsere Welt zusammengesetzt ist“, skizziert Gattringer. Ihm geht es unter anderem darum, der Quantenwelt mithilfe von Supercomputern näherzukommen: „Ich versuche, Quantenfeldtheorien so aufzubereiten, dass man sie numerisch behandeln kann.“ Auf diese Art könne man beispielsweise jenen physikalischen Phänomenen näherkommen, die die ersten Momente unseres Universums geprägt haben.

Gattringers Forschungen führten ihn unter anderem an die University of Washington in Seattle, an die University of British Columbia in Vancouver und an das Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston, bevor es ihn wieder zurück nach Europa zog. Nach fünf Jahren an der Universität Regensburg kehrte er schließlich an seinen Studienort zurück – die Universität Graz, wo er 2005 eine Professur für Computational Elementary Particle Physics übernahm.

Sein Aufgabengebiet erweiterte sich schnell. Er widmete sich nicht nur der Grundlagenforschung in der theoretischen Physik, sondern gestaltete auch die Rahmenbedingungen im Wissenschaftsbetrieb an seiner Universität mehr und mehr mit. 2009 übernahm er den Posten des Vizedekans für Forschung an der naturwissenschaftlichen Fakultät, 2015 wurde er zum Dekan gewählt. Unter anderem war er auch Sprecher des FWF-Doktoratskollegs für Teilchenphysik. „Die Qualität der Ausbildung steigt massiv, wenn man die Dissertantinnen und Dissertanten nicht zu Einzelkämpfern macht, sondern sie zu einer Gruppe schmiedet“, sagt Gattringer dazu. „Sich um junge Forschende zu kümmern, ist eine der wichtigsten Aufgaben, die eine Professur mit sich bringt.“

2019 ging es mit der Position als Vizerektor für Forschung und Nachwuchsförderung noch einen Schritt weiter in das wissenschaftliche Management, ohne aber die Forschung selbst zu vernachlässigen. Seine Publikationsliste weist ihn als Autor von über 180 Arbeiten aus. Als Vizerektor für alle Wissenschaftsdisziplinen zuständig zu sein, war für den Vater von vier Kindern eine erfüllende Aufgabe: „Zu sehen, wie unterschiedliche Wissenskulturen – von der Mathematik bis zu den Life-Sciences – arbeiten und welche unterschiedlichen Bedürfnisse sie haben, war für mich eine interessante Erfahrung, die das Verständnis der Mechanismen hinter der Grundlagenforschung erweitert hat.“

Zudem ist dem Physiker die Vernetzung der Wissenschaften über die Universität hinaus ein wichtiges Anliegen, sei es am Forschungsstandort selbst, im österreichischen Kontext und über die Grenzen hinaus auf europäischer Ebene. „Kooperation und Vernetzung sind wesentliche Aspekte moderner Forschungsarbeit – sie fördern Kreativität und Effizienz“, fasst er seinen Standpunkt zusammen.

Privat findet Gattringer in Büchern oder im Sport Entspannung. „Ein paar Tausend Kilometer am Rennrad pro Jahr“ gehören da natürlich auch dazu. 

Der FWF-Aufsichtsrat

Der FWF-Aufsichtsrat hat zahlreiche Überwachungs- und Zustimmungsbefugnisse. So fasst er Beschlüsse über den Rechnungsabschluss und den Jahresvoranschlag, die Mehrjahresprogramme sowie die jährlichen Arbeitsprogramme. Alle vier Jahre wählt er die Präsidentin oder den Präsidenten gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Vizepräsidium aus einem Dreiervorschlag der Delegiertenversammlung. Weiters bestellt er die kaufmännische Vizepräsidentin bzw. den kaufmännischen Vizepräsidenten.

FWF-Aufsichtsrat, 6. Funktionsperiode (2019–2023)
http://www.fwf.ac.at/de/ueber-den-fwf/organisation/aufsichtsrat/

Der Wissenschaftsfonds FWF

Der FWF ist Österreichs zentrale Einrichtung zur Förderung der Grundlagenforschung sowie der künstlerisch-wissenschaftlichen Forschung. Er unterstützt – nach internationalen Qualitätsmaßstäben – herausragende Forschungsprojekte sowie exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich der Gewinnung, Erweiterung sowie Vertiefung wissenschaftlicher Erkenntnisse widmen.

 

Kontakt:

Marc Seumenicht
Stv. Leiter Kommunikation, Pressesprecher
scilog.fwf.ac.at | @FWF_at | @FWFOpenAccess

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