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FWF 1000 Ideen Gruppenbild Credit FWFDanielNovotny
Vielversprechende Forschungsideen für Österreichs Zukunft: Wissenschaftsminister Heinz Faßmann und FWF-Präsident Klement Tockner betonen den Mut und das Innovationspotenzial aller Forschenden des neuen 1000-Ideen-Programms. Lernen Sie stellvertretend für die 24 geförderten Forschenden fünf Projekte näher kennen.

Wer Grundlagenforschung betreibt, will Neues entdecken. Für Forschende birgt es auch ein Risiko, in unerforschtes Terrain vorzustoßen. Doch im Erfolgsfall stehen die Chancen gut, einen Innovationssprung auszulösen. Aus diesem Grund unterstützt der Wissenschaftsfonds FWF mit dem 1000-Ideen-Programm gezielt High-Risk-Forschung, um Österreichs Innovationskraft weiter zu steigern. Erfahren Sie mehr über jene Forschenden, die bei der ersten Ausschreibungsrunde reüssieren konnten.

Originalität geht vor. Wie viele Forschungsprojekte jemand bereits geleitet oder wo und wie viel jemand publiziert hat, ist für das 1000-Ideen-Programm zweitrangig. Zum Zug kommen unkonventionelle Projekte und neuartige wissenschaftliche Ansätze, die das Potenzial besitzen, einen Innovationssprung auszulösen. Das Programm schafft Freiraum für frische Forschungsansätze, die im späteren Verlauf neue Forschungsfelder erschließen. Die geförderten Forschenden erhalten zwischen 100.000 und 150.000 Euro für ein Projekt, das maximal 24 Monate dauert.

„Österreich fördert gezielt den Mut und die Innovationsbereitschaft seiner Forschenden. Als Pioniere in ihrem Feld können sie ganz neue Möglichkeiten entdecken und die Basis für künftige Anwendungen legen. Davon profitiert nicht nur der Standort Österreich, sondern langfristig jede und jeder von uns“, erläutert Wissenschaftsminister Heinz Faßmann.

„Wir sind begeistert, die ersten 1000-Ideen-Projekte ins Rollen bringen zu können. Die Premiere zeigt die Vielfalt der High-Risk-Forschung, die Projekte stammen aus den drei großen Wissenschaftsfeldern“, so FWF-Präsident Klement Tockner, und weiter: „Ziel ist es, dass Forschende an Österreichs Forschungsstätten visionäre Ideen umsetzen können. So erhöhen sich die Chancen, dass sich wissenschaftliche Durchbrüche zum Wohle aller ergeben – und das auch dann, wenn die ursprüngliche Idee scheitern sollte.“

Neue Wege in der Qualitätssicherung

In der Begutachtung der Projektanträge beschritt der FWF mit dem 1000-Ideen-Programm Neuland und zielt darauf ab, möglichst unvoreingenommen diese hoch originellen oder hoch risikoreichen Forschungsideen zu bewerten. 306 Anträge wurden in einem Doppelblind-Verfahren anonymisiert und teilrandomisiert von einer 20-köpfigen internationalen Jury unter der Leitung von James W. Kirchner (ETH Zürich) beurteilt. Die Förderungsentscheidung trafen die Expert/innen des FWF-Kuratoriums auf Basis der Empfehlungen der Jury. 24 Projekte an zwölf Universitäten und Forschungsstätten mit einem Förderungsvolumen von 3,4 Millionen Euro konnten in der ersten Ausschreibungsrunde bewilligt werden.

„Da die Mittel begrenzt waren, hatte die internationale Jury die schwierige Aufgabe, aus Hunderten von hoch kreativen Forschungsideen die wenigen Gewinner auszuwählen“, so Juryvorsitzender James Kirchner, und weiter: „Die Jury war von der Qualität und Vielfalt sehr beeindruckt. Die geförderten Projekte repräsentieren spannende ‚out of the box‘-Ideen, die das breite Spektrum der österreichischen Wissenschaft abdecken.“


Lernen Sie stellvertretend für alle 24 neu bewilligten Projekte fünf Forschungsvorhaben aus dem 1000-Ideen-Programm kennen:


Neue Wege in der Malaria-Forschung

Karin Albrecht-Schgör
Department für Medizinische Genetik, Molekulare und Klinische Pharmakologie, Medizinische Universität Innsbruck

Alle zwei Minuten stirbt ein Kind an einer Malaria-Infektion. Ein Grund dafür ist die hohe Komplikationsrate bei Kindern. Eine dieser Komplikationen ist die zerebrale Malaria, bei der es zu einer Gehirnbeteiligung kommt und die oft tödlich endet. Bisherige Therapien vernachlässigen die pathologische Rolle des Immunsystems. Mit einem völlig neuen Ansatz möchte Karin Albrecht-Schgör von der Zellgenetik der Medizinischen Universität Innsbruck die Therapie der zerebralen Malaria direkt auf das Immunsystem ausrichten.


Neue Wege in der Migrations- und Religionsforschung

Ariane Sadjed
Institut für Iranistik, Österreichische Akademie der Wissenschaften

Die Kulturwissenschaftlerin Ariane Sadjed von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften untersucht in ihrem Projekt jüdische und islamische Minderheiten in Österreich und ihre gemeinsamen Erfahrungen als Migrant/innen und religiöse Minderheiten. Die Besonderheit liegt in der Auswahl der Communitys: Im Fokus stehen Kriterien, die sowohl Gemeinsamkeiten (wie z. B. Sprache oder regionale Herkunft) als auch Unterschiede (Gründe der Auswanderung, sozioökonomischer Status) aufweisen. Durch den Fokus auf Biografien und Alltagserfahrungen können bestehende Narrative zu Identität und Zugehörigkeit aufgebrochen werden. Neue Ansätze in der Interviewführung und Textinterpretation in Fokusgruppen richten den Blick auf bisher wenig repräsentierte Aspekte des Weggehens und Ankommens.

Neue Wege in der KI-Forschung

Jan Steinbrener
Institut für Intelligente Systemtechnologien, Universität Klagenfurt

Der Physiker Jan Steinbrener entwickelt an der Universität Klagenfurt einen neuen Ansatz Drohnen zu steuern: Die Fluggeräte sollen sich selbst das Fliegen beibringen. In seinem Projekt orientiert sich Jan Steinbrener am Entwicklungsprozess der menschlichen Motorik. Elemente des kontinuierlichen Lernens werden mit neuartigen, KI-basierten Algorithmen kombiniert. Das innovative Element dabei ist, dass das Erlernen der Bewegungen und das Sammeln von Erfahrungen allein auf der Drohne durch echte Bewegungsversuche erfolgen. Die Fähigkeit, selbst erlerntes Wissen über sich selbst zur Bewältigung von neuen Aufgaben heranzuziehen, wird den Weg für die nächste Generation intelligenter mechatronischer Systeme ebnen.

Neue Wege in der Materialphysik

Toma Susi
Fakultät für Physik, Universität Wien

Durch das Zerschlagen von Elementarteilchen und das Schießen von Strahlen auf Materialien lassen sich gänzlich neue physikalische Erkenntnisse gewinnen. Besonders aufschlussreich ist es, das Verhalten von Materie und Antimaterie zu erforschen. Der Materialphysiker Toma Susi von der Universität Wien konzentriert sich auf ein kaum erforschtes exotisches Atom, das Positronium, um bestehende Modellierungswerkzeuge erstmals in diesem Bereich anzuwenden. Mit seinem Projekt legt er die Basis, um neue Ansätze für physikalische Modelle im Bereich der Antimateriephysik entwickeln zu können.

Neue Wege in der Krebs-Forschung

Adelheid Wöhrer
Universitätsklinik für Neurologie, Medizinische Universität Wien

Zielgerichtete Therapien stellen einen Meilenstein in der Krebstherapie dar. Während sie sich bei einigen Krebserkrankungen als Wunderwaffen entpuppen, bleibt der Erfolg bei anderen aus. In ihrem Projekt überprüft Adelheid Wöhrer von der Medizinischen Universität Wien die These, ob Anzahl und Zusammensetzung der Tumorzellklone beim Glioblastom variieren. Dabei gilt: Je komplexer, umso therapieresistenter. Mit diesem Projekt betritt das Team wissenschaftliches Neuland, indem der Tumor nicht als statisches, sondern als dynamisches Gebilde ähnlich einem Ameisenhaufen analysiert wird. Das transformative Potenzial liegt darin, die Tumorheterogenität durch ein besseres mechanistisches Verständnis direkt beeinflussen zu können.


Alle bewilligten Projekte des 1000-Ideen-Programms in alphabetischer Reihenfolge:

Karin Albrecht-Schgör: Therapie zerebraler Malaria mit Adenosin2a-Rezeptor-Blockade
Medizinische Universität Innsbruck – Department für Medizinische Genetik, Molekulare und Klinische Pharmakologie

Kerstin Bellaire-Siegmund: Sox macht den Unterschied

Medizinische Universität Innsbruck – Department für Medizinische Genetik, Molekulare und Klinische Pharmakologie

Frédéric Berger: Ein neuartiger epigenetischer Code
Österreichische Akademie der Wissenschaften – Gregor-Mendel-Institut für Molekulare Pflanzenbiologie

Markus Faulhuber: Universelle Optimalität des hexagonalen Gitters
Universität Wien – Fakultät für Mathematik

Wolfram Graf: Flussklänge – Ein Impuls für aquatische Organismen
Universität für Bodenkultur Wien – Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement

Anja Hörger: Unsterbliche Titanen: Besitzt die Titanenwurz eine Keimbahn?
Paris-Lodron-Universität Salzburg – Fachbereich für Biowissenschaften

Markus Muttenthaler: Mit Tiergiften durch die Blut-Hirn-Schranke
Universität Wien – Institut für Biologische Chemie

Vanja Nagy: Reverses Engineering von Störungen neuronaler Entwicklung
Ludwig Boltzmann Gesellschaft GmbH – Ludwig Boltzmann Institute for Rare and Undiagnosed Diseases

Michael Ornetzeder: Energiewende Folgenabschätzung

Österreichische Akademie der Wissenschaften – Institut für Technikfolgen-Abschätzung

Michael Parzer: Die Kunst des Ankommens
Universität Wien – Institut für Soziologie

Paolo Piovano: Mathematische Modellierung der Knochenregenation
Universität Wien – Fakultät für Mathematik

Peter Pohl: Stressleitung durch Membranen

Universität Linz – Institut für Biophysik

Ariane-Táhirih Sadjed: Narrative der Migration – Juden und Muslime als ‚Andere‘
Österreichische Akademie der Wissenschaften – Institut für Iranistik

Stefan Rass: Computergestützte Verifikation existierender P/NP-Beweise
Universität Klagenfurt – Institut für Angewandte Informatik

Stefan Scheiner: Holzmechanobiologie erklärt mittels Multiskalenmodellierung
Technische Universität Wien – Institut für Mechanik der Werkstoffe und Strukturen

Rainer Schindl: ELPHI: Ein steuerbares Implantat für Chemotherapie im Gehirn
Medizinische Universität Graz – Lehrstuhl für Biophysik

Jörg Schnecker: Tod – die verborgene Seite mikrobiellen Turnovers in Böden
Universität Wien – Department für Mikrobiologie und Ökosystemforschung

Jan Steinbrener: Live fliegen lernen
Universität Klagenfurt – Institut für Intelligente Systemtechnologien

Giulio Gino Maria Superti-Furga: Die humane Minizelle
Österreichische Akademie der Wissenschaften – CeMM – Center for Molecular Medicine

Toma Susi: Positroniuminterferometrie
Universität Wien – Fakultät für Physik

Peter Trebsche: Lost or Found? Mikroarchäologie bei Rettungsgrabungen
Universität Innsbruck – Institut für Archäologien

Michael Trupke: Eine Uhr aus Licht
Universität Wien – Quantum Optics, Quantum Nanophysics, Quantum Information

Dávid Szaller: Quantenoptische Phänomene in magnetoelektrischen Kristallen
Technische Universität Wien – Institut für Festkörperphysik

Adelheid Wöhrer: Klonale Komplexität des Glioblastoms
Medizinische Universität Wien – Universitätsklinik für Neurologie


FWF Der Wissenschaftsfonds

Der FWF ist Österreichs zentrale Einrichtung zur Förderung der Grundlagenforschung sowie der künstlerisch-wissenschaftlichen Forschung. Er unterstützt – nach internationalen Qualitätsmaßstäben – herausragende Forschungsprojekte sowie exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich der Gewinnung, Erweiterung und Vertiefung wissenschaftlicher Erkenntnisse widmen.

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