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Forschende zusammenbringen, Schwerpunkte vertiefen und gemeinsam neue Forschungsfelder erschließen: Die Spezialforschungsbereiche (SFB) heben Synergien und bringen regional verankerte Exzellenzcluster hervor. Sie zählen mit einer Laufzeit von bis zu acht Jahren zu den besonders nachhaltig ausgerichteten FWF-Förderungen. Stärken und Schwächen des Programms zeigt ein soeben publizierter Evaluierungsbericht auf.

Mit dem Programm der Spezialforschungsbereiche zielt der FWF seit 2004 darauf ab, regional verankerte Exzellenzcluster hervorzubringen. Österreichs Forschungsstätten erhalten die Möglichkeit, exzellente Forscher/innen fest zu verankern und das eigene Forschungsprofil zu schärfen. Das Arbeiten in Teams wird groß geschrieben, schließen sich doch bis zu 15 Forschende in einem Spezialforschungsbereich zusammen - die Hälfte von ihnen muss an einem Forschungsstandort verankert sein. Ziel ist es, Forschungsnetzwerke nach internationalem Maßstab an einem oder mehreren Standorten zu schaffen. Im Mittelpunkt stehen multi- bzw. interdisziplinär angelegte Forschungsthemen.

Kennzahlen der Spezialforschungsbereiche 2004 bis 2018

  • Förderungsvolumen: 203 Millionen Euro; 7,6 % vom Gesamtförderungsvolumen
  • 29 Spezialforschungsbereiche; 331 Teilprojekte; 2.778 geförderte Forschende
  • 36 beteiligte Forschungsstätten
  • Durchschnittliche Bewilligungsquote: 14 %

Stark in der Exzellenz, ausbaufähig in der Vielfalt

Für die Evaluierung der Spezialforschungsbereiche im Zeitraum 2004 bis 2018 beauftragte der Wissenschaftsfonds FWF das Austrian Institute of Technology (AIT) sowie die Katholische Universität Leuven (Belgien). Die Expertinnen und Experten werteten in ihrer Evaluierung unterschiedliche Indikatoren auf Basis aller geförderten Spezialforschungsbereiche aus, um positive Effekte, kritische Aspekte und künftige Empfehlungen ableiten zu können.

Nach Einschätzung der Expert/innen zeigt sich, dass Spezialforschungsbereiche ihr Kernziel, exzellente Grundlagenforschung hervorzubringen, erreichen. So lösen Spezialforschungsbereiche ein überdurchschnittliches Wachstum der Publikationstätigkeit, speziell in renommierten Journalen, aus. Die Analysen weisen zudem auch eine überdurchschnittlich hohe Zitationsrate aus. Trotz dieser erfreulichen Kennzahlen legt der Evaluationsbericht auch eine Schwachstelle offen – bei der interdisziplinären Ausrichtung der Publikationen gibt es demnach Aufholbedarf, da einzelne Disziplinen eine zu dominante Position einnehmen.

Spezialforschungsbereich als Sprungbrett für Forschende

Als weiteren positiven Langzeiteffekt streichen die Expert/innen den hohen Impact der Spezialforschungsbereiche im Bereich der Karriereförderungen der beteiligten Forschenden hervor. So ist es gelungen, besonders Forschende im frühen Stadium ihrer Karriere zu unterstützen. Zudem zeigt sich, dass Spezialforschungsbereiche aufgrund der engen Zusammenarbeit in Teams ein ideales Umfeld im Bereich der Doktoratsausbildung bieten. Gleichzeitig ortet der Bericht auch eine Schwachstelle im Bereich jüngerer Forschender, da sie im Vergleich zu arrivierteren Kolleg/innen weniger Teilprojekte leiten. Im Bereich der Gleichstellung von Frauen und Männern fällt die Bilanz zwiespältig aus. Zwar wuchs die Beteiligung von Frauen über den Beobachtungszeitraum kontinuierlich an, weist jedoch auf Ebene der Projektleitungen niedrige Werte auf.

Als problematisch beurteilen die Expert/innen die niedrige Bewilligungsquote der Spezialforschungsbereiche (14 % im langjährigen Durchschnitt) sowie den sinkenden Anteil am FWF-Gesamtförderungsvolumen. Im Beobachtungszeitrum von 2004 bis 2018 kommt den Spezialforschungsbereichen ein Anteil von 7,6 % am gesamten FWF-Förderungsbudget zu. Aus Sicht der Expert/innen sollte das Förderungsvolumen deutlich erhöht werden (auf 25 %), um eine nachhaltige Strukturbildung an den Forschungsstätten auszulösen. Das wären knapp 60 Millionen Euro jährlich – im Vergleich zu derzeit 20,5 Millionen Euro (2019).

Blick in die Zukunft

Vor dem Hintergrund der Ergebnisse der Evaluierung ist der Wissenschaftsfonds FWF bestrebt, die Vielfalt noch stärker zu unterstützen und Forschende bestmöglich nach disziplinärem Hintergrund, Karrierestufe und Geschlecht zu fördern. Da Parameter wie Förderungsdauer, Förderungshöhe und Teamgröße positiv hervorgehoben worden sind, entwickelt der FWF sein Portfolio behutsam weiter, um Forschenden noch mehr Flexibilität in der Forschungsförderung bieten zu können. Speziell die bevorstehende Exzellenzinitiative wird weitere Adaptierungen und Anpassungen des Programms bringen sowie, wenn angemessen dotiert, den Anteil am Gesamtförderungsbudget erhöhen. Gender Mainstreaming und Nachwuchsförderung sind und bleiben Kernelemente des gesamten Förderungsportfolios; im Bereich der Spezialforschungsbereiche ist es das Ziel des FWF, die Anzahl von Frauen und akademisch jungen Forscher/innen als Leiterinnen und Leiter von SFB-Teilprojekten weiter zu erhöhen und strukturelle Einschränkungen aus dem Weg zu räumen.

Weiterführende Informationen:

Evaluierungsbericht der Spezialforschungsbereiche (Zenodo)

Stellungnahme des Wissenschaftsfonds FWF zum Evaluierungsbericht (Zenodo)

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